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Niemand ist lebendiger als ein toter Heiliger – wir feiern Allerheiligen

Was fällt euch zum Thema Allerheiligen ein? Feiertag, geschmückte Gräber, langes Stehen bei nasskaltem Wetter auf dem Friedhof, Erinnerung an Verstorbene…

So gestaltet sich dieses Fest in den meisten Familien, die ich kenne. Aber eigentlich gehört dieses Brauchtum zum Fest Allerseelen, also zum 02.11. oder zumindest zum Vorabend dieses Festes (deshalb finden die Gräbersegnungen und Andachten für die Verstorbenen auch am Nachmittag statt).

heilige_zitat

Heute feiern wir in der Familie das Hochfest Allerheiligen, d.h. wir gedenken aller Heiligen. Solch ein Sammelfest für Märtyrer und andere heilige Menschen gab es nachweislich schon im 4. Jahrhundert am Oktavtag von Pfingsten (=Herrentag aller Heiligen). Erst im 8./9. Jahrhundert wurde das Fest auf einen neuen Termin verlegt, nämlich auf den ersten November, da man die Heiligen nicht mehr maßgebend vor dem österlichen Hintergrund betrachtete, sondern vielmehr am Winteranfang angesichts der sterbenden Natur als Hoffnungsträger für das ewige Leben.

Wer ist ein Heiliger?

Nach katholischer Lehre ist jeder Christ durch die Taufe auf dem Weg zur Heiligkeit. Mutter Teresa (selbst eine offizielle Heilge) sagt: „Heiligkeit ist nicht der Luxus einiger weniger Menschen, sondern eine einfache Pflicht für dich und mich.“ Sie meint damit, dass wir Gott erlauben sollen, „sein Leben in uns zu leben“. Heilige im eigentlichen Sinn sind also nicht langweilige selbstgemachte Perfektionisten, sondern Menschen, die in der Liebe Gottes uns – auch noch nach ihrem Tod- nah verbunden sind. An ihrem Leben zeigt sich, was es heißt, Jesus Christus nachzufolgen. Diese Lebenswege sind ganz individuell verschieden: es gibt heilige Kinder, Frauen, Männer, Ehepaare, Priester, Päpste, Mönche, Ledige, Schwestern, Arme, Reiche, Kluge, Einfache, Unbekannte, Unbemerkte… und es gab und gibt sie zu jeder Zeit von den Anfängen bis in die heutige Zeit.

Allerheiligen mit Kindern feiern

Für die Kinder ist die obige Definition zu kompliziert. Es reicht, wenn sie wissen, dass Heilige ganz gewöhnliche Kinder oder Erwachsene sind, die so lebten, wie Jesus es ihnen gelehrt hat. In der Messe hören wir heute im Evangelium eine gute Anleitung Jesu zum Heiligwerden: Die sog. Seligpreisungen. Es ist nicht leicht, so zu leben, denn wer hängt z.B. nicht an irgendwelchen Dingen, wer geht nicht gerne Trauer und Schmerz aus dem Weg oder versucht mit allen Mitteln rücksichtslos an sein egoistisches Ziel zu gelangen. Heilige haben es dagegen geschafft, einen oder mehrere dieser Wegweiser in ihrem Leben und Sterben umzusetzen, je nachdem welche Begabungen ihnen Gott geschenkt hat. Und sie waren dabei selig, also glücklich. An Allerheiligen danken wir Gott, dass er uns diese Menschen als Vorbilder geschenkt hat (das ist übrigens mit Heiligenverehrung gemeint). Wir feiern aber auch, dass wir getauft sind und deshalb auf ein Leben bei Gott hoffen dürfen.

Bitten wir den Herrn um die Gnade, einfache und demütige Menschen zu sein, um die Gnade, weinen zu können, um die Gnade, sanftmütig zu sein, um die Gnade, für Gerechtigkeit und Frieden zu arbeiten, und vor allem um die Gnade, uns von Gott vergeben zu lassen, um zu Werkzeugen seiner Barmherzigkeit zu werden“ (Papst Franziskus).

Kinder brauchen Vorbilder und ich finde, es gibt keine besseren Vorbilder als diese lebendigen Beispiele für ein Leben (und Sterben) nach dem Evangelium. Deshalb lesen wir in der Familie deren Lebensgeschichten. Und deshalb findet sich dieses Fest auch anschaulich auf unserem Jahresfestkreistisch wieder:

allerheiligen_jahresfestkreis

Ich habe alle Bilder und Postkarten, die sich auf Reisen und Kirchenbesichtigungen und aus alten Gesangbüchern angesamelt haben, mit diesem praktischen Tape, das sich rückstandslos von allem entfernen lässt, um das Kreuz geklebt. Das zeigt den Kindern, dass diese Menschen nach ihrem Tod ganz nah bei Gott sind.

allerheiligen mit kindern

Die Königskinder kennen manche Heilige schon gut (z.B. ihre Namenspatrone), andere lernen sie kennen, indem wir heute von ihnen erzählen. Vielleicht fehlen auch Heilige, die die Kinder gerne mögen? Dann dürfen sie diese malen und die Bilder dazukleben. Die Kerzen zünden wir für die Heiligen an, deren Bild (noch) nicht an der Wand hängt, also auch für uns, denn wir möchten später ja auch mal Teil dieser Gemeinschaft bei Gott sein.

Heute Abend beim Abendgebet werden wir folgende Allerheiligenlitanei für unsere Familie beten:

K / A Herr, erbarme Dich.
K / A Christus, erbarme Dich.
K / A Herr, erbarme Dich.
K / A Christus höre uns.
K / A Christus erhöre uns.

K Gott Vater im Himmel, A erbarme Dich unser.
Gott Sohn, Erlöser der Welt
Gott Heiliger Geist
Heilige Dreifaltigkeit, ein Einiger Gott

K Heilige Maria, Mutter Gottes, A bitte für uns.

Heilige(r)…                                                         

(hier nennen alle Familienmitglieder reihum ihre Namenspatrone oder Lieblingsheilige.)

Herr, unser Gott, du allein bist der Heilige, und niemand ist gut ohne deine Hilfe. Lass uns mit Hilfe der Heiligen nach deinem Willen leben und einmal die Herrlichkeit erreichen, die du uns schenken willst. Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit, (nach Gotteslob 652.5)

Amen

An alle Verstorbenen denken wir morgen.

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